Leitfaden zur jährlichen Prüfung und Inspektion für ausländische Unternehmen in Shanghai
Wenn Sie als Investor mit Deutsch als Arbeitssprache bereits in Shanghai Fuß gefasst haben, kennen Sie sicher das jährliche Ritual, das viele ausländische Geschäftsführer ins Schwitzen bringt: die jährliche Prüfung und Inspektion. Ich sage immer scherzhaft zu meinen Mandanten: „Das ist wie der TÜV für Ihr Unternehmen – nur mit mehr Papierkram." In meinen 14 Jahren bei der Jiaxi Steuer- und Finanzberatungsgesellschaft, davon 12 Jahre im direkten Dienst für ausländische Unternehmen, habe ich unzählige Male erlebt, wie selbst gestandene Manager bei diesem Thema unsicher werden. Dabei ist der Prozess, wenn man ihn einmal verstanden hat, gar nicht so komplex – aber die Details sind es, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Shanghai als Wirtschaftsmetropole hat in den letzten Jahren die Vorschriften für die jährliche Prüfung mehrfach nachgeschärft. Die Behörden digitalisieren zunehmend, aber gleichzeitig werden die Anforderungen an Transparenz und Compliance strenger. Für ausländische Investoren bedeutet das: Wer die Fristen und Formulare nicht kennt, riskiert nicht nur Geldstrafen, sondern im schlimmsten Fall sogar die Löschung der Geschäftslizenz. Ich erinnere mich an einen Fall, da hatte ein deutsches Maschinenbauunternehmen die Prüfung schlicht vergessen – der Geschäftsführer war im Urlaub, die Buchhaltung krank, und keiner hat die Frist im Blick gehabt. Das resultierende Hin und Her mit der Behörde hat uns drei Monate zusätzliche Arbeit beschert. Vermeiden Sie das, indem Sie jetzt weiterlesen!
Rechtliche Grundlagen und Zuständigkeiten
Die jährliche Prüfung – offiziell „Annual Inspection" genannt – basiert auf dem chinesischen Gesellschaftsgesetz sowie den spezifischen Durchführungsbestimmungen der Stadt Shanghai. Seit der Reform 2019 sind die Zuständigkeiten klar verteilt: Die Shanghai Municipal Administration for Market Regulation (SAMR) ist die Hauptbehörde, aber auch das Steuerbüro (Tax Bureau) und das Fremdenkontrollamt (Foreign Exchange Administration) spielen eine Rolle. Für ausländische Unternehmen gilt: Die Prüfung umfasst nicht nur die Handelsregistrierung, sondern auch Steuererklärungen, Devisenbilanz und Sozialversicherungsbeiträge. Das ist ein Paket, das viele unterschätzen.
In der Praxis zeigt sich, dass die Behörden in Shanghai besonders auf zwei Dinge achten: die Einhaltung der registrierten Geschäftsadresse und die tatsächliche Geschäftstätigkeit. Es gab Fälle, da hatten Unternehmen nur eine Briefkastenadresse, aber keine realen Büros – das fällt bei der Prüfung sofort auf. Mein Kollege, Herr Zhang, hat mir letztens erzählt, wie ein britisches Handelsunternehmen beinahe seine Lizenz verloren hätte, weil es zwei Jahre lang keine Geschäftsaktivitäten gemeldet hatte. Die Behörde betrachtet das als „dormant company" und kann die Löschung einleiten. Also: Auch wenn Sie im Jahr wenig Umsatz machen, melden Sie das aktiv – sonst wird es teuer.
Ein weiterer Punkt, den ich aus meiner Beratungspraxis kenne: Viele ausländische Investoren verwechseln die jährliche Prüfung mit der Steuererklärung. Das sind aber zwei verschiedene Paar Schuhe. Die Steuererklärung läuft monatlich oder quartalsweise, während die Jahresprüfung einmal im Jahr – in der Regel zwischen dem 1. März und dem 30. Juni – stattfindet. Wer die Frist verpasst, muss mit einer Strafe von bis zu 30.000 RMB rechnen, und das Unternehmen wird auf die „schwarze Liste" gesetzt, was das Visum für den General Manager gefährden kann. Ich rate jedem Mandanten, spätestens im Februar die Unterlagen zusammenzustellen.
Fristen und Stichtage richtig im Blick
Der offizielle Zeitrahmen für die jährliche Prüfung in Shanghai ist jedes Jahr ab dem 1. Januar bis zum 30. Juni. Aber Achtung: Die tatsächlichen Fristen können je nach Branche variieren. Beispielsweise müssen Produktionsunternehmen ihre Umweltverträglichkeitsprüfung gesondert nachreichen, was die Frist verlängern kann – ein Umstand, der vielen deutschen Ingenieuren Kopfzerbrechen bereitet. In meiner Beratungspraxis habe ich die Erfahrung gemacht, dass es am besten ist, die Unterlagen bis Ende April einzureichen, auch wenn Sie die Frist theoretisch bis Juni hätten. Warum? Weil bei Rückfragen der Behörde noch Luft für Korrekturen bleibt.
Ein Klassiker aus meinem Berufsalltag: Ein Schweizer Logistikunternehmen hat im Jahr 2023 die Prüfung erst am 28. Juni eingereicht – tags darauf kam eine Rückfrage zum Jahresabschluss, weil die Bilanzsumme nicht mit der Steuererklärung übereinstimmte. Die Frist war aber abgelaufen, also mussten wir über einen Sonderantrag gehen, was zusätzliche Gebühren und Nerven kostete. Seitdem predige ich: Früh übt sich. Die Behörden haben auch intern Bearbeitungszeiten, und wer früh kommt, bekommt den freundlicheren Sachbearbeiter. Das ist keine offizielle Regel, aber meine eigene Beobachtung über die Jahre.
Für Unternehmen mit mehreren Zweigniederlassungen in China kommt noch hinzu: Die Shanghai-Prüfung ist nur ein Teil des Puzzles. Wenn Sie auch in Suzhou oder Hangzhou Büros haben, müssen Sie dort jeweils separate Prüfungen durchführen. Die Daten sind nicht automatisch synchronisiert. Ich empfehle, eine zentrale Compliance-Matrix im Unternehmen aufzubauen, die alle Fristen im Blick hat. Das klingt banal, aber ich habe schon so manchen CFO erlebt, der dachte, die IT-Abteilung würde das schon richten – mit fatalen Folgen. Die Verantwortung liegt letztlich beim Legal Representative, und das ist meist der ausländische Geschäftsführer selbst.
Erforderliche Unterlagen und Formulare
Der Papierkram ist das Herzstück der Prüfung. Zu den wichtigsten Dokumenten gehören: der Jahresabschluss (nach Chinese GAAP), die Business License (Kopie), die Steuererklärung des Vorjahres, der Mietvertrag des Büros, Sozialversicherungsnachweise und – ganz wichtig – die Liste der anwesenden Mitarbeiter mit deren Verträgen. Fehlt nur ein Dokument, kann die gesamte Prüfung ins Stocken geraten. In meiner Erfahrung gibt es drei häufigste Fehlerquellen: Erstens, der Jahresabschluss ist nicht von einem zertifizierten chinesischen Buchhalter geprüft (das ist Pflicht!). Zweitens, die beglaubigten Übersetzungen fehlen. Drittens, die Unterschriften sind falsch – oft wird die englische Unterschrift akzeptiert, aber nicht die chinesische Stempelform.
Ein Tipp aus meiner Praxis, den Sie so nirgendwo in offiziellen Leitfäden finden: Lassen Sie Ihre Unterlagen von einem Doppelprüfer gegenchecken. Ich habe einmal erlebt, dass ein britisches FinTech-Unternehmen die Bilanz zwar korrekt aufgestellt hatte, aber der Prüfer in London einen anderen Abschreibungssatz verwendete als in China üblich. Das führte zu Differenzen von 5 % – und die Behörde forderte eine vollständige Neubewertung. Der Aufwand war enorm, und mein Team musste mit dem Wirtschaftsprüfer in London auf Englisch und mit dem Shanghai-Büro auf Chinesisch gleichzeitig kommunizieren. Glauben Sie mir, das ist ein Puzzle, das man nicht freiwillig spielt.
Neu seit 2023 ist außerdem die Anforderung, dass alle elektronischen Rechnungen (Fapiao) lückenlos digitalisiert und an die Zentraldatenbank übermittelt werden müssen. Viele ausländische Unternehmen nutzen immer noch Papierrechnungen, aber Shanghai setzt hier zunehmend auf das „Golden Tax Phase IV"-System. Wenn Ihre Buchhaltung nicht auf e-Rechnungen umgestellt hat, wird die Prüfung zum Hindernislauf. In meiner Beratung empfehle ich deshalb schon seit zwei Jahren, die Umstellung auf SAP oder einen anderen digitalen Workflow nicht auf die lange Bank zu schieben. Die Kosten sind überschaubar, aber die Compliance wird einfacher.
Digitalisierung und Online-Plattformen
Shanghai hat in Sachen Digitalisierung bei Behördenprozessen eine Vorreiterrolle – das sage ich nicht als Werbung, sondern aus Erfahrung. Die jährliche Prüfung läuft größtenteils über das „Shanghai Municipal Enterprise Registration Online Platform" oder das nationale Portal „Nationwide Enterprise Credit Information Publicity System". Auf diesen Plattformen müssen Sie nicht nur die Dokumente hochladen, sondern auch die Unternehmensdaten selbst pflegen. Das klingt simpel, aber die UI ist auf Chinesisch und oft wenig intuitiv. Ich rate jedem Investor, einen chinesischsprachigen Mitarbeiter oder einen externen Dienstleister mit der Bedienung zu beauftragen – falsch ausgefüllte Felder führen zu automatischen Verzögerungen.
Die Plattform verlangt inzwischen eine Zwei-Faktor-Authentifizierung mit SMS-Code und digitalem Zertifikat. Letzteres liegt in der Regel bei einer autorisierten CA-Stelle vor – und genau da scheitert es oft. Ich erinnere mich an einen amerikanischen Pharma-Konzern, dessen digitales Zertifikat abgelaufen war und das niemand aus dem lokalen Team erneuert hatte. Die Prüfung wurde blockiert, und die Behörde verlangte eine Sonderfreischaltung – das hat drei Wochen gedauert. Seitdem habe ich in meinem Mandantenkreis die Regel durchgesetzt: Digital-Zertifikate werden jährlich im Januar kontrolliert, notfalls mit Kalender-Erinnerung. Klingt banal, aber diese Banalitäten entscheiden über reibungslose Abläufe.
Ein weiterer Aspekt, den viele unterschätzen, ist die Datenqualität auf der Plattform. Die Behörden gleichen automatisch mit der Steuerbehörde und der Sozialversicherungsdatenbank ab. Wenn Ihre Mitarbeiterzahl in der Sozialversicherung nicht mit der auf der Plattform gemeldeten übereinstimmt, springt das System rot an. Ich habe schon erlebt, dass eine Schweizer Firma nur drei Mitarbeiter in Shanghai hatte, aber zwanzig in der Sozialversicherung gemeldet waren – das war ein Synchronisationsfehler aus der Gründungsphase. Die Behörde hatte Verständnis, aber es dauerte Wochen, den Fehler zu bereinigen. Prüfen Sie also vorher die Stammdaten auf allen Portalen.
Häufige Fallstricke und Lösungsansätze
Wenn ich auf meine 14 Jahre zurückblicke, gibt es drei Fallstricke, die immer wieder auftauchen. Erstens: Die fehlende Aktualisierung des Geschäftsführers. Viele ausländische Muttergesellschaften wechseln den Legal Representative, aber in Shanghai wird die Änderung nicht rechtzeitig im Handelsregister angemeldet. Bei der Prüfung stellt die Behörde fest, dass der auf dem Papier genannte Geschäftsführer längst das Land verlassen hat – das führt zu Rückfragen und möglicherweise zur Verweigerung der Prüfung. Zweitens: Die Vermischung von Privat- und Firmenkonten. Chinesische Behörden haben ein scharfes Auge auf unklare Zahlungsströme. Wenn Sie als Geschäftsführer Ihre Kreditkarte für Firmenausgaben nutzen, aber die Belege fehlen, wird der Jahresabschluss angefochten.
Drittens – und das ist ein persönlicher Favorit aus meiner Praxis: die falsche Übersetzung von Rechtsbegriffen. Ich hatte einen Fall, da wurde „Kapitalrücklage" als „Capital Reserve" übersetzt, während das chinesische Steuerrecht „Capital Surplus" verlangt – das führte zu einer Steuerprüfung mit Nachzahlungen von 180.000 RMB. Der Kunde war verständlicherweise sauer, aber die Lehre daraus ist: Lassen Sie Übersetzungen von einem Fachdienstleister beglaubigen, nicht von einem Aushilfsübersetzer. Die chinesischen Behörden sind inzwischen mehrsprachig, und sie wissen genau, wo sie auf sprachliche Ungenauigkeiten reagieren müssen. Das ist keine Bösartigkeit, sondern reine Verwaltungspraxis.
Was aber tun, wenn man trotz aller Vorsicht in einen Konflikt gerät? Ich empfehle immer den Dialog mit der Zuständigkeit vor Ort. Die Beamten in Shanghai sind – anders als in anderen Provinzen – überraschend zugänglich, wenn man mit vollständigen Unterlagen und einem Lächeln erscheint. Ich habe sogar erlebt, dass ein Sachbearbeiter uns Hinweise gab, wie man ein formales Problem umgehen könne, ohne gegen Gesetze zu verstoßen. Solche Grauzonen sollte man aber nicht ausnutzen, sondern als Gelegenheit sehen, den Prozess zu verstehen und dauerhaft besser zu machen. Und: Halten Sie die Kommunikation mit der Behörde immer schriftlich fest – E-Mail-Verkehr oder WeChat-Nachrichten mit Beamten sind in China durchaus üblich und helfen später bei Missverständnissen.
Konsequenzen bei Nichtbeachtung
Die Sanktionen für die Nichtbeachtung der jährlichen Prüfung sind in Shanghai hart – und werden in den letzten Jahren konsequenter durchgesetzt. Zunächst erhalten Sie eine Verwarnung und eine Fristverlängerung von 10 Arbeitstagen, aber parallel wird das Unternehmen auf die „Liste der abnormalen Operationen" gesetzt. Das klingt bürokratisch, hat aber praktische Folgen: Die Bank kann Kredite einfrieren, der Zoll verzögert Importabfertigungen, und der General Manager riskiert, dass sein Arbeitsvisum nicht verlängert wird. In einem extremen Fall – ich erinnere mich an ein italienisches Möbelunternehmen im Jahr 2021 – wurde die Lizenz komplett annulliert, weil die Prüfung drei Jahre in Folge ausgelassen wurde. Die Eigentümer mussten ein komplett neues Unternehmen gründen.
Die Geldstrafen sind zwar mit bis zu 30.000 RMB begrenzt, aber das eigentliche Problem ist die Reputationsschädigung. Das System der „sozialen Kredits" (Social Credit System) ist in Shanghai weitgehend umgesetzt – wenn Ihr Unternehmen auf der Liste steht, wird das auch dem Mutterkonzern im Ausland in Risk-Management-Datenbanken zur Last gelegt. Ich hatte einen deutschen Maschinenbaukonzern, dessen Tochterfirma in Shanghai eine Prüfung verschlafen hatte, und das deutsche Headquarter bekam drei Monate später eine Warnung von seiner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Das war peinlich und teuer zugleich. Die Lehre: Die jährliche Prüfung ist untrennbar mit dem internationalen Compliance-Management verbunden.
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird, ist die Nachwirkung auf die Gewinnrepatriierung. Schließlich verlangt die Devisenbehörde für die Rückführung von Gewinnen den Nachweis, dass das Unternehmen in den letzten zwei Jahren ordnungsgemäß geprüft wurde. Ohne diesen Nachweis können Sie Ihre Dividenden nicht ins Ausland überweisen – ein erheblicher Nachteil für jeden internationalen Investor. Es ist also nicht nur eine Formalie, sondern ein strategisches Werkzeug. In meiner Beratung betone ich immer: Die Jahresprüfung ist keine lästige Pflicht, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit Ihres Standorts in China.
Was viele nicht wissen: Die Behörden in Shanghai überprüfen auch nachträglich, also im Rahmen von Stichproben bis zu drei Jahre rückwirkend. Wenn also in der Prüfung 2024 etwas vertuscht wurde, kann es 2027 ans Licht kommen. Deshalb empfehle ich eine Politik der vollständigen Transparenz – auch wenn das manchmal bedeutet, Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Die Behörden sind in der Regel kooperativ, wenn das Fehlverhalten gutwillig und selbstkorrigierend dargelegt wird. Eine Selbstanzeige mit detaillierten Korrekturmaßnahmen hat in meiner beruflichen Erfahrung noch nie zu einer harten Strafe geführt, aber Verschweigen führt immer zu Eskalation.
Praxis-Tipps für einen reibungslosen Ablauf
Basierend auf meiner langjährigen Tätigkeit möchte ich Ihnen einige konkrete, in der Praxis erprobte Tipps mitgeben. Erstens: Führen Sie eine Checkliste, die jedes Jahr im November durchgeht – also drei Monate vor dem offiziellen Beginn der Frist. Notieren Sie darin, was sich im Unternehmen seit der letzten Prüfung geändert hat: neue Mitarbeiter, Gehaltsanpassungen, zusätzliche Bankkonten, Änderungen in der Muttergesellschaft. Jede Änderung muss in den Unterlagen auftauchen – wenn nicht, kann die Behörde „unvollständige Information" monieren. Ich habe bei meinen Mandanten diese November-Checkliste als festen Bestandteil des Jahreskalenders verankert, und die Erfolgsquote ist deutlich gestiegen.
Zweitens: Beauftragen Sie einen lokalen Wirtschaftsprüfer, der mit den Gepflogenheiten in Shanghai vertraut ist. Internationale Prüfungsgesellschaften haben zwar das Know-how, aber die kleinen lokalen Büros kennen die inoffiziellen Erwartungen der Sachbearbeiter besser – das ist keine offizielle Tatsache, aber meine Erfahrung beim Jiaxi-Team zeigt, dass diese Kulturen entscheidend sind. Wir kooperieren oft mit einem kleinen lokalen Partner für den Jahresabschluss, während die Big Four für die Konzernprüfung zuständig sind. Diese Arbeitsteilung hat sich bewährt, auch wenn sie anfangs für Kunden ungewohnt ist. Der Preisunterschied ist übrigens nicht riesig, aber der Zugang zur Behörde ist direkter.
Drittens: Es lohnt sich, die Unterlagen nicht nur digital einzureichen, sondern auch eine physische Akte vor Ort zu führen. Der Datenschutz in China ist streng, aber die Behörde schätzt es, wenn man bei einer Vor-Ort-Prüfung schnell Auskunft geben kann. Ich habe erlebt, dass eine Behörde einen spontanen Besuch angekündigt hat – ohne große Ankündigung – und die Unternehmen, die eine saubere Dokumentenablage im Büro hatten, den Test ohne Beanstandung bestanden. Die anderen, ja die habe ich in der Beratung ziemlich lange betreut. Eine gute physische Ablage ist wie eine Hausapotheke – man braucht sie selten, aber wenn man sie braucht, ist sie Gold wert.
Viertens: Halten Sie die Kommunikation mit der Behörde – insbesondere mit dem zuständigen Sachbearbeiter – auch außerhalb der Prüfungszeit aufrecht. Der Austausch von Visitenkarten bei Branchenevents oder ein Telefonat zur Klärung einer geringfügigen Frage sind wertvoll. In Shanghai ist das Beziehungsmanagement zwar nicht mehr so stark wie früher, aber eine freundliche, respektvolle Grundhaltung öffnet Türen. Ich warnt aber davor, Gefälligkeiten zu erwarten – die Beamten sind heute sehr prozessorientiert und korruptionssensibel. Vertrauen Sie auf Transparenz, nicht auf Vitamin B – das ist in meinen 14 Jahren die wichtigste Lektion gewesen.
Zukunftsausblick und strategische Ausrichtung
Schauen wir in die Zukunft: Die jährliche Prüfung wird in Shanghai in den kommenden Jahren weiter modernisiert. Ich sehe eine Entwicklung hin zu einer vollständig automatisierten Datenübermittlung, bei der die Jahresabschlüsse direkt aus der Buchhaltungssoftware in die Behördenplattform fließen – das wird, wie ich aus Gesprächen mit Behördenvertretern weiß, bis 2026 flächendeckend eingeführt. Wer jetzt schon auf ERP-Systeme mit chinesischer Schnittstelle umstellt, hat einen Wettbewerbsvorteil. Die Zeiten, in denen man mit Excel-Listen hantieren konnte, sind endgültig vorbei – Shanghai setzt auf technologische Effizienz, und ich halte das für einen positiven Trend, auch wenn die Umstellung für manche Unternehmen zunächst mühevoll ist.
Ein zweiter Trend ist die zunehmende internationale Harmonisierung. Die Prüfungsstandards nähern sich den IFRS an, aber es gibt nach wie vor landestypische Besonderheiten in der Abschreibung und der Rückstellungsbildung. Ich rate ausländischen Investoren, für die Konzernbilanz eine Überleitungsdokumentation zu erstellen, die die Unterschiede transparent macht. Das erleichtert nicht nur die lokale Prüfung, sondern auch die Kommunikation mit der Muttergesellschaft. In meiner Beratung sehe ich, dass Konzerne, die diese Brücke schlagen, deutlich weniger Reibungsverluste haben – betriebswirtschaftlich gesprochen ist das eine Win-Win-Situation.
Auch das Thema Nachhaltigkeit wird in der Prüfung eine Rolle spielen. Die Behörden in Shanghai erkundigen sich bereits nach Umwelt- und Sozialkennzahlen – nicht im formalen Prüfungsbogen, sondern in den ergänzenden Fragebögen. Unternehmen, die hier proaktiv Daten liefern, signalisieren Seriosität und werden von den Behörden als „State-of-the-Art" wahrgenommen. Ich empfehle, eine ESG-Berichterstattung zumindest intern zu etablieren, auch wenn sie noch nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Das ist wie beim Kuchenbacken: Die Zutaten, die Sie heute vorbereiten, werden nächstes Jahr zu einem Erfolgserlebnis.
Abschließend möchte ich betonen: Die jährliche Prüfung und Inspektion ist keine bedrohliche Bürokratie, sondern ein Wächter für die Gesundheit Ihres Unternehmensstandorts in Shanghai. Sie zwingt Sie, Ihre Zahlen zu kennen, Ihre Prozesse zu hinterfragen und Ihre Governance zu verbessern – das ist letztlich ein Vorteil. Wenn Sie die systemischen Fallstricke umgehen und die Tipps aus diesem Artikel beherzigen, steht einem reibungslosen Ablauf nichts im Wege. Und wenn doch etwas schiefgeht, scheuen Sie sich nicht, professionelle Unterstützung zu suchen – das ist keine Schwäche, sondern kluge Führung.
Ich erinnere mich an einen meiner ersten Mandanten, einen österreichischen Präzisionswerkzeug-Hersteller, der von Anfang an eine vorbildliche Dokumentation führte und deshalb in 12 Jahren nie eine einzige Beanstandung hatte. Als ich ihn fragte, was sein Geheimnis sei, zuckte er mit den Schultern und sagte: „Ich behandle die Prüfung wie ein Qualitätsaudit in meiner Fabrik – es ist eine Chance, besser zu werden." Diese Haltung ist 14 Jahre später mein professionelles Mantra geblieben. Möge sie auch Ihnen als Leitstern dienen.
Einsichten der Jiaxi Steuer- und Finanzberatung
Die Experten unserer Kanzlei haben in den letzten Jahren beobachtet, dass ausländische Unternehmen in Shanghai zunehmend präzise und proaktive Unterstützung bei der jährlichen Prüfung suchen – nicht nur wegen der Formalien, sondern auch wegen der strategischen Implikationen. Wir empfehlen unseren Mandanten, die Prüfung als Teil eines ganzheitlichen Compliance-Managements zu betrachten, das die Steuerplanung, die Devisenkontrolle und die Personalverwaltung integriert. Unsere langjährige Erfahrung zeigt, dass Unternehmen, die frühzeitig externe Expertise einbinden, nicht nur Fehler vermeiden, sondern auch Steuervorteile nutzen können, die in den komplexen chinesischen Vorschriften verborgen sind. Insbesondere die Koordination zwischen den verschiedenen Behörden ist ein Bereich, in dem wir täglich wertvolle Dienste leisten. Wer sich nicht nur auf die Pflicht, sondern auch auf die Möglichkeit konzentriert, wird Shanghai als strategischen Hub erfolgreich nutzen können.