# Sind Importe von festen Abfällen jetzt vollständig verboten? In meinen fast drei Jahrzehnten in der Unternehmensberatung – davon 12 Jahre bei der Jiaxi Steuer- und Finanzberatungsgesellschaft im Dienst für ausländische Unternehmen und 14 Jahre in der Registrierungsabwicklung – habe ich schon so manchen Mandanten mit sorgenvoller Miene vor mir sitzen sehen. Die Frage nach den Importbestimmungen für feste Abfälle gehört definitiv zu den Klassikern, die immer wieder für Verwirrung sorgen. Und ehrlich gesagt, wer kann es den Unternehmern verdenken? Die Rechtslage hat sich in den letzten Jahren rasant verändert, und was gestern noch erlaubt war, kann heute schon illegal sein. Lassen Sie mich Ihnen aus meiner Erfahrung heraus einen Überblick geben – nicht als steife Rechtsberatung, sondern so, wie ich es meinen Klienten am liebsten erkläre: verständlich, praxisnah und mit einem Augenzwinkern. ## Der Wandel der Rechtslage seit 2017 Wer hätte das gedacht? Noch vor einigen Jahren war der Import von festen Abfällen in China ein lukratives Geschäft. Doch dann kam der große Wendepunkt: Im Juli 2017 kündigte die chinesische Regierung überraschend an, die Einfuhr von festen Abfällen drastisch zu beschränken. Die Weltgemeinschaft rieb sich verwundert die Augen – China, lange Zeit der größte Abfallimporteur der Welt, drehte den Hahn zu. Die Begründung aus Peking war ebenso einfach wie einleuchtend: Umweltschutz und die Gesundheit der Bevölkerung hätten oberste Priorität, so die offizielle Lesart. Man wolle keine "fremde Drecksarbeit" mehr annehmen.

Der Prozess verlief allerdings nicht von heute auf morgen. Die Behörden wählten einen schrittweisen Ansatz, der vielen Unternehmen zunächst Hoffnung gab. Zunächst wurden nur bestimmte Kategorien wie Kunststoffabfälle und Papierabfälle mit hohen Verunreinigungsgraden betroffen. Die Branche reagierte mit kreativen Lösungen – manche Firmen erhöhten die Sortierqualität, andere suchten neue Wege der Deklaration. Ich erinnere mich noch gut an einen Mandanten aus Hamburg, der damals völlig verzweifelt bei mir anrief. Sein Container mit sortiertem Papierabfall lag im Hafen von Shanghai fest, weil die neue Qualitätsprüfung plötzlich eine Grenze von 0,5 Prozent Fremdstoffen vorschrieb – eine Vorgabe, die technisch kaum einzuhalten war.

Die Lage spitzte sich weiter zu, als China im Rahmen des "National Sword"-Programms (übersetzt: Nationales Schwert) die Kontrollen massiv verschärfte. Die berüchtigten gelben Container – so nannten wir in der Branche die mit Abfall gefüllten Container – wurden nun nicht mehr nur stichprobenartig kontrolliert, sondern systematisch geöffnet. Das führte zu einer Flut von Reimporten, wenn Waren die chinesischen Qualitätsstandards nicht erfüllten. Manche europäische Exporteure standen damals vor dem wirtschaftlichen Ruin, weil sie ihre Abfallcontainer weder gelöscht noch zurückgenommen bekommen konnten. Ein Kollege von mir nannte es damals scherzhaft "Die Müll-Krise mit Ansage", und tatsächlich war die Entwicklung absehbar gewesen – die Signale aus Peking waren eindeutig.

## Der offizielle Importstopp ab 2021 Jetzt wird es interessant – und für viele überraschend: Der vollständige Stopp kam später als gedacht. Ende 2020 verkündete die chinesische Regierung feierlich, dass ab dem 1. Januar 2021 die Einfuhr aller festen Abfälle verboten sei. Dieses Datum markiert eine Zäsur in der internationalen Abfallwirtschaft. Die Ankündigung war keine bloße Absichtserklärung, sondern wurde in verschiedenen Regierungsdokumenten wie dem "Fünften Fünf-Jahres-Plan zur Kreislaufwirtschaft" klar kodifiziert. Ich sage immer: In China dauert es manchmal etwas länger, aber wenn ein Entschluss gefasst ist, dann wird er auch mit eiserner Konsequenz umgesetzt.

Die Praxis zeigt jedoch, dass es nicht ganz so einfach ist, wie es auf dem Papier steht. Das Verbot betrifft zunächst einmal alle nicht-industriellen festen Abfälle – also alles, was unter die Kategorie der Haus- und Gewerbeabfälle fällt. Dazu zählen unter anderem Kunststoffabfälle, Papierabfälle, Textilabfälle und biologische Abfälle. Für diese Kategorien gilt ein absolutes Importverbot ohne Ausnahmegenehmigungen. Ich rate meinen Mandanten immer: „Vergessen Sie sämtliche Hoffnungen auf eine Sondergenehmigung – die gibt es schlicht nicht mehr." Das hat auch etwas Erleichterndes: Die Rechtslage ist in diesem Punkt tatsächlich glasklar, was man von vielen anderen Bereichen nicht behaupten kann.

Es gibt allerdings eine wichtige Feinheit, die viele übersehen: Der Begriff "fester Abfall" wird im chinesischen Recht nicht immer einheitlich verwendet. Man unterscheidet zwischen "Abfällen" (fei wu) und "Sekundärrohstoffen" (er ji yuan liao), und diese Unterscheidung ist juristisch von enormer Bedeutung. Ein Material, das als Sekundärrohstoff deklariert wird, unterliegt nämlich nicht dem Importverbot, sondern den allgemeinen Handelsbestimmungen. Hier lauert allerdings eine gefährliche Grauzone: Die Zollbehörden haben klare Kriterien dafür festgelegt, wann ein Material als Abfall oder als Rohstoff gilt. In der Praxis habe ich erlebt, dass selbst erfahrene Importeure bei dieser Unterscheidung scheiterten und ihre Container am Ende wieder zurückgeschickt wurden.

## Der Begriff "fester Abfall" – eine juristische Gratwanderung Nun könnte man meinen, eine Definition sei eine Definition – aber im chinesischen Abfallrecht ist das eine regelrechte Wissenschaft für sich. Das Gesetz zur Prävention und Kontrolle der Umweltverschmutzung durch feste Abfälle (Festabfallgesetz) definiert feste Abfälle als „Stoffe und Gegenstände, die aus Produktions-, Bau-, Konsum- und anderen Aktivitäten stammen und ihre ursprüngliche Nutzung verloren haben". Klingt erstmal klar, oder? Aber dann kommt der berühmte Zusatz: „... einschließlich solcher, die zwar noch einen Nutzen haben, aber nicht in der vorgesehenen Art verwendet werden." Diese Formulierung bietet den Behörden einen erheblichen Interpretationsspielraum – und der wird auch kräftig genutzt.

Ein klassisches Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Ein Unternehmen aus Österreich wollte Kunststoffgranulat aus recyceltem Material nach China exportieren. Das Produkt war sauber sortiert, eingeschmolzen und hatte einen klar definierten industriellen Zweck – es sollte in der Automobilindustrie eingesetzt werden. Die Exporteure waren überzeugt, dass es sich um einen Sekundärrohstoff handelte. Die chinesische Zollbehörde sah das jedoch anders und stufte das Granulat als festen Abfall ein – mit der Begründung, dass es nicht den Qualitätsstandards für Neumaterial entspreche. Der Fall musste letztlich über ein spezielles Bewertungsverfahren beim Umweltministerium geklärt werden, was mehrere Monate dauerte. Am Ende gewannen wir den Fall, aber in der Zwischenzeit lagen die Container im Hafen und verursachten täglich Lagerkosten in vierstelliger Höhe.

Diese Erfahrung hat mich gelehrt: Es ist entscheidend, bereits vor dem Export eine unverbindliche Zollauskunft einzuholen – ein Instrument, das in der Praxis noch viel zu selten genutzt wird. Dazu werden Proben und technische Datenblätter eingereicht, und die Behörde gibt eine offizielle Klassifizierungsentscheidung ab. Das Verfahren kostet etwas Zeit und Geld, kann aber später riesige Probleme ersparen. Wer diese Vorabklärung nicht nutzt, spielt russisches Roulette mit seinem Warenwert. Und glauben Sie mir, ich habe schon zu viele Unternehmen gesehen, die diese Lektion auf die harte Tour lernen mussten.

## Ausnahmen und Sonderregelungen – Es gibt sie noch Jetzt denken Sie vielleicht: „Herr Liu, Sie haben doch gesagt, es gibt keine Ausnahmen?" – Das habe ich gesagt, und das stimmt auch für die meisten Fälle. Aber die Welt wäre nicht China, wenn es nicht einige – zugegebenermaßen sehr seltene – Ausnahmen gäbe. Die wichtigste betrifft die "notwendigen Einfuhrfälle", die im Implementierungsdekret zum Festabfallgesetz ausdrücklich vorgesehen sind. Dazu gehören Forschungszwecke, medizinische Notfälle, humanitäre Hilfe und bestimmte industrielle Notwendigkeiten, die im öffentlichen Interesse liegen. Diese Ausnahmen müssen jedoch im Vorfeld vom Umweltministerium und vom Handelsministerium gemeinsam genehmigt werden – ein zweistufiges Verfahren, das selbst erfahrene Anwälte abschrecken kann.

In meinen 14 Jahren in der Registrierungsabwicklung habe ich genau drei Fälle erlebt, in denen eine solche Ausnahmegenehmigung tatsächlich erteilt wurde. Einer davon betraf ein Forschungsinstitut für Meerestechnik, das spezielle Seltene-Erden-Rückstände aus Deutschland benötigte, um ein neues Verfahren zur Wasseraufbereitung zu entwickeln. Die bürokratischen Hürden waren enorm: Nicht weniger als sieben verschiedene Behörden mussten involviert werden, und die gesamte Bearbeitungsdauer betrug über acht Monate. Am Ende zahlte sich die Geduld aus – aber nur, weil das Forschungsinstitut selbst keine wirtschaftlichen Interessen verfolgte und die Umweltbehörden von der Notwendigkeit überzeugen konnte, ein drängendes Problem der Meeresverschmutzung in chinesischen Gewässern zu lösen.

Für normale Handelsunternehmen ist dieser Weg jedoch nicht gangbar. Ich erlebe immer wieder, dass ausländische Firmen oder ihre Handelsvertretungen glauben, mit guten Kontakten oder der richtigen Argumentation doch noch eine Genehmigung zu bekommen. Meine ehrliche Empfehlung an diese Unternehmen lautet dann: „Vergessen Sie es. Investieren Sie Ihre Energie in alternative Lösungen, wie die Verwertung von Abfällen innerhalb der EU oder die Entwicklung neuer Materialien, die den chinesischen Standards entsprechen." Klar ist aber auch: Diese harte Linie in China bedeutet keineswegs das Ende des Recyclings, sondern verschiebt die Wertschöpfungskette – davon bin ich fest überzeugt.

## Überwachung und Strafmaßnahmen – Die Durchsetzung in der Praxis Die Kontrolle der Importbestimmungen wird in China nicht den Zollbehörden allein überlassen. Es existiert ein komplexes Überwachungssystem, das mehrere Ministerien und Agenturen umfasst, darunter das Ministerium für Ökologie und Umwelt, der Generalzoll und sogar die Staatliche Verwaltung für Marktregulierung. Diese Behörden arbeiten mit modernsten Methoden, darunter Datenabgleich und risikobasierte Analysen, um Verstöße zu identifizieren. Die Strafe für den Import verbotener fester Abfälle ist denkbar hart: Sie reicht von Bußgeldern bis zum Fünffachen des Warenwerts (bei schweren Verstößen) bis hin zu strafrechtlicher Verfolgung in Fällen von vorsätzlicher Täuschung. Zusätzlich werden Verstöße öffentlich bekannt gemacht und Unternehmen auf eine Schwarze Liste gesetzt.

Sind Importe von festen Abfällen jetzt vollständig verboten?

Ein besonders praxisrelevanter Punkt ist die Frage der Rückführungspflicht. Wenn ein Container mit nicht zugelassenen festen Abfällen am chinesischen Zoll erfasst wird, muss der Exporteur – oder in der Regel der Importeur – die Rückführung der Ware binnen 90 Tagen veranlassen. In dieser Zeit dürfen die Container nicht gelöscht werden, sondern bleiben unter zollamtlicher Überwachung im Hafen. Ich hatte einen Mandanten aus den Niederlanden, der über drei Monate für die Rückführungskosten eines einzigen Containers mehrere zehntausend Euro zahlen musste – zusätzlich zum Schadensersatz für den vom chinesischen Importeur gekündigten Vertrag. Sie können sich vorstellen, wie motiviert diese Firma danach war, ihr Compliance-System zu verbessern.

In der Praxis habe ich außerdem festgestellt, dass die Zollämter besonders wachsam bei Dokumenten sind, die um den Kern der Sache herumreden. Jede Unstimmigkeit zwischen Handelsrechnung, Packliste und Frachtpapieren wird als Indiz für versuchten Betrug gewertet. Die Behörden haben ihre Laborkapazitäten massiv ausgebaut – ein Container kann heute innerhalb von 24 Stunden wissenschaftlich analysiert werden, und die Daten fließen direkt in die Risikobewertung ein. Die message ist klar: Wer in diesem Bereich unsauber arbeitet, fliegt früher oder später auf. Es ist also keine Frage des Ob, sondern nur des Wann.

## Wirtschaftliche Folgen für Importeure und Exporteure Die Umstellung auf die neuen Regeln hat enorme wirtschaftliche Verwerfungen verursacht – in China ebenso wie in den Exportländern. Für chinesische Importeure von Abfallrohstoffen bedeutete der Stopp zunächst einen Schock: Viele hatten ihre Geschäftsmodelle auf die günstigen Importe aufgebaut und mussten von heute auf morgen auf heimische Recyclingmaterialien umsteigen. Das führte zu Versorgungsengpässen bei Papier und bestimmten Kunststoffen sowie zu Preiserhöhungen in der gesamten Verarbeitungskette. Ich erinnere mich an einen chinesischen Verpackungshersteller aus Zhejiang, der im Frühjahr 2021 beinahe Insolvenz anmelden musste, weil sein wichtigster Rohstoff – europäische Papierabfälle – plötzlich nicht mehr verfügbar war. Die Lösung kam in Form neuer Kooperationen mit amerikanischen und einheimischen Altpapier-Lieferanten, die allerdings rund 20 Prozent teurer waren.

Auf der anderen Seite des Pazifiks und des Atlantiks sah es nicht besser aus. Länder wie Deutschland, Großbritannien und die USA hatten sich jahrelang darauf verlassen, ihre Recyclingstoffe nach China zu exportieren. Als dieser Absatzmarkt wegfiel, füllten sich die Lagerhallen mit nicht mehr verwertbaren Materialien. In England sprach man von der „größten Müllkrise seit Jahrzehnten", und in Deutschland wurden Kommunen von ihrer Entsorgungswirtschaft überrascht, die die Preise drastisch erhöhte. Die Branchen mussten schnell neue Absatzmärkte finden – meist in Südostasien, wo aber nachziehende Restriktionen nur wenig später wieder neue Probleme schufen. Man könnte sagen, China hat eine Art „Dominoeffekt" ausgelöst, der die globale Recyclingwirtschaft bis heute prägt.

Für die Exportländer ist die Lehre aus dieser Entwicklung schmerzhaft gewesen: Man hätte die eigenen Recyclingkapazitäten früher ausbauen müssen, statt sich auf den bequemen Weg des Exports nach China zu verlassen. Diese Erfahrung zeigt deutlich, wie eng die globale Wirtschaft miteinander verbunden ist und wie schnell sich politische Entscheidungen eines Landes auf alle Akteure der Wertschöpfungskette auswirken können. Als Berater rate ich mittelständischen Unternehmen heute immer häufiger, ihre Lieferketten im Bereich der Rohstoffe zu diversifizieren und mehr in regionale Kreisläufe zu investieren.

## Die Rolle von Recycling und Rohstoffversorgung Man könnte auf die Idee kommen, dass der Importstopp China zu einem Einfallstor für Rohstoffknappheit gemacht hat. Das wäre allerdings zu kurz gedacht. Die chinesische Regierung hat parallel zum Importstopp ein massives Programm zur Verbesserung der heimischen Recyclingwirtschaft eingeleitet. Ziel ist es, die Kreislaufwirtschaft zu stärken und die Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen zu verringern – insbesondere bei strategisch wichtigen Materialien wie seltenen Erden, Kupfer und Aluminium. Zahlreiche Steuervergünstigungen und Subventionen unterstützen den Aufbau moderner Sortier- und Verwertungsanlagen. Die „neue" Recyclingbranche in China hat sich in den letzten Jahren rasant professionalisiert, und die Technologie ist teilweise fortschrittlicher als in Europa.

Interessant ist auch die Entwicklung bei den Primärrohstoffen: Um den Ausfall der rezyklierten Importe zu kompensieren, hat China verstärkt Primärrohstoffe wie Holz, Zellstoff und bestimmte Metalle importiert – mit einer Begleiterscheinung, die viele nicht erwartet hatten: Diese Primärimporte verursachen nämlich auch einen erheblichen ökologischen Fußabdruck in den Exportländern. Man könnte also durchaus die These aufstellen, dass der chinesische Importstopp nicht in jeder Hinsicht nachhaltig war, sondern teilweise nur eine Verlagerung der Umweltbelastungen bewirkt hat. Die wissenschaftliche Literatur hat darüber intensiv debattiert, und einige Studien argumentieren, dass die globale Ökobilanz sogar negativ war, wenn man die gestiegenen Transportwege und die geringere Effizienz der neuen Recyclinganlagen in Südostasien berücksichtigt.

Für ausländische Investoren in China bedeutet diese Neuausrichtung aber auch Chancen: Insbesondere Unternehmen, die im Bereich der fortschrittlichen Recyclingtechnologien tätig sind, können von der Modernisierung der chinesischen Abfallverwertungswirtschaft profitieren. Die Nachfrage nach effizienter Sortiertechnik, chemischem Recycling und neuen Materialkreisläufen ist enorm. Jüngst haben mehrere namhafte deutsche und japanische Unternehmen Joint Ventures mit chinesischen Partnern gegründet, um in diesem Bereich Fuß zu fassen. Wenn Sie als Investor über den Einstieg in den chinesischen Markt nachdenken, könnte dieses Feld ein lohnenswerter Ansatz sein – aber das nur am Rande.

## Zukunftsperspektiven und politische Tendenzen Die Frage, ob der Importstopp von Dauer sein wird, ist naheliegend – und die Antwort lautet aus heutiger Sicht klar: Ja. Die chinesische Regierung hat diese Politik im 14. Fünf-Jahres-Plan (2021–2025) ausdrücklich verankert und weiter ausgebaut. Ich sehe keine Anzeichen, dass sich daran in den nächsten fünf bis zehn Jahren etwas ändern wird. Die Polarisierung auf dem Weltmarkt hat sich zudem so verfestigt, dass ein Umsteuern politisch kaum vermittelbar wäre – niemand will als „Müllhalde der Welt" dastehen. Die Bemühungen gehen eher in Richtung weiterer Verschärfung und besserer Durchsetzung, insbesondere bei neuen Abfallarten wie Elektroschrott, Batterien und Verbundmaterialien.

Gleichzeitig wird China vermehrt in die Entwicklung von "grünen Häfen" und zertifizierten Recyclingzonen investieren, die internationalen Standards entsprechen sollen. Diese Zonen könnten – so meine Prognose – künftig auch als Drehscheiben für legale und umweltfreundliche Abfallverwertung und Rohstoffrückgewinnung dienen. Die „Neue Seidenstraße" (Belt and Road Initiative) spielt dabei eine wichtige Rolle: In einigen Partnerländern hat China bereits moderne Recyclinganlagen aufgebaut, die lokal entsorgte Abfälle mitverarbeiten und Wertstoffe zurückführen sollen. Es ist gut möglich, dass sich China so von einem reinen Importeur zu einem Technologiegeber und Systementwickler für nachhaltige Abfallwirtschaft wandelt.

Für internationale Unternehmen und Investoren bedeutet das: Wer im Zuge der Kreislaufwirtschaft mit China zusammenarbeiten möchte, sollte sich auf die neuen Regeln einstellen und innovative Lösungen anbieten, die den chinesischen Nachhaltigkeitszielen entsprechen. Der reine Abfallexport ist Geschichte – aber die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Zusammenarbeit zwischen China und dem Westen in diesem Bereich noch viele Chancen bietet, wenn man die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen ernst nimmt. Die Zukunft liegt in intelligenten Materialkreisläufen, nicht in billigen Exportwegen.

## Schlussbetrachtung: Die neue Normalität im Abfallhandel Abschließend lässt sich festhalten: Der Import von festen Abfällen nach China ist seit dem 1. Januar 2021 vollständig verboten – ohne Ausnahme und ohne Aussicht auf baldige Lockerung. Diese Politik ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung der chinesischen Umwelt- und Wirtschaftspolitik, die auf nachhaltige Entwicklung und technologischen Fortschritt setzt. Für Außenstehende mag diese Wende radikal erscheinen, doch in China wird sie als logische Konsequenz eines langfristigen Strategiewechsels verstanden. Wer in China investieren oder handeln möchte, muss diese Realität akzeptieren und entsprechend handeln.

Der Prozess der Umstellung war in den letzten Jahren für alle Beteiligten anstrengend – das kann ich aus unzähligen Gesprächen mit Mandanten bestätigen. Es gab viele schlaflose Nächte, wütende Anrufe und auch einige Tränen in Besprechungsräumen – ja, auch das gehört zu diesem Beruf. Aber aus jeder Krise entstehen auch Chancen: Diejenigen Unternehmen, die sich frühzeitig auf die neuen Regeln eingestellt haben, sind heute oft besser aufgestellt als zuvor. Ihnen ist es gelungen, ihre Prozesse zu optimieren, lokale Partnerschaften zu vertiefen und innovative Produkte zu entwickeln. Das sollten Sie im Hinterkopf behalten, wenn Sie über die Zukunft Ihrer eigenen Geschäftsstrategie nachdenken.

Als alter Berater habe ich eines gelernt: Regeln ändern sich – und die Kunst besteht darin, sich anzupassen, ohne den eigenen Kompass zu verlieren. Deshalb meine Bitte an alle Leser: Nutzen Sie die jetzige Lage nicht nur, um sich zu beschweren, sondern auch, um sich neu zu erfinden. Die Umstellung auf eine kohlenstoffarme Kreislaufwirtschaft ist weltweit unabwendbar, und China spielt dabei eine zentrale Rolle – ob Sie mögen oder nicht. Wer diese Entwicklung mitgestalten möchte, ist in China heute willkommener denn je – vorausgesetzt, er versteht und respektiert die neuen Spielregeln.

## Einblicke von Jiaxi Steuer- und Finanzberatung Bei der Jiaxi Steuer- und Finanzberatung haben wir die Entwicklungen rund um das Importverbot von festen Abfällen von Beginn an eng begleitet. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele ausländische Investoren vor allem mit der mangelnden Klarheit bei der Klassifizierung von Materialien überfordert sind. Wir haben es uns daher zur Aufgabe gemacht, unsere Mandanten nicht nur rechtlich zu beraten, sondern auch praktische Lösungen zu entwickeln – von der Vorbereitung der Zolldokumentation bis hin zur Vermittlung zertifizierter chinesischer Recyclingpartner. Wer mit uns zusammenarbeitet, profitiert von einem Netzwerk, das auf über 20 Jahren Erfahrung in der chinesischen Wirtschaft basiert. Wir unterstützen Sie gerne bei der Analyse Ihrer Lieferketten, der Bewertung von Alternativen und der strategischen Ausrichtung in dieser sich wandelnden Branche. Die neuen Regeln mögen herausfordernd sein, aber sie sind auch eine Einladung, neue Wege zu gehen.